STOP! Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung erkennen und Grenzen setzen

Sexuelle Belästigung wird an unserer Hochschule in keiner Weise toleriert. Auf diesen Seiten möchten wir darüber informieren, was sexuelle Belästigung eigentlich ist, wie wir sie erkennen und was wir dagegen unternehmen können.

Sexuelle Belästigung beschreibt jedes sexualisierte Verhalten, das nicht erwünscht ist. Dieses kann sich verbal, non-verbal oder körperlich ausdrücken und verletzt die Würde der betroffenen Person.

Von sexueller Belästigung können alle Geschlechter betroffen sein, sowohl weibliche als auch männliche, trans*- und intergeschlechtliche Menschen, wobei Mädchen und Frauen besonders häufig Opfer werden.

Die Betroffenen fühlen sich durch das Verhalten der Täterperson häufig verletzt, herabgewürdigt und verstört, nicht selten entsteht ein Klima aus Verunsicherung und Angst.

Sexuelle Belästigung ist ein einseitiges Verhalten – es unterscheidet sich damit grundlegend von auf Konsens beruhenden Flirts und vergleichbaren Interaktionen.

Bei der Beurteilung, ob ein Verhalten belästigend ist, ist nicht die Absicht der handelnden Person ausschlaggebend, sondern die Auswirkung auf die betroffene Person.

Sexuelle Belästigung kann sich verbal, non-verbal oder körperlich ausdrücken.

Verbal

  • sexuell anzügliche Bemerkungen und Witze
  • aufdringliche oder beleidigende Kommentare über Aussehen, körperliche Merkmale, Verhalten oder Privatleben
  • Fragen mit sexuellem Inhalt, z.B. zum Privatleben oder zur Intimsphäre
  • Aufforderungen zu intimen oder sexuellen Handlungen oder Treffen

Non-verbal

  • aufdringliches oder einschüchterndes Starren, bzw. anzügliche Blicke
  • sexuelle Gesten
  • Hinterherpfeifen („Catcalling“)
  • Briefe oder Nachrichten mit anzüglichem Inhalt
  • aufdringliche Annäherungsversuche in sozialen Netzwerken
  • unangemessenes Entblößen
  • Zeigen pornographischer Darstellungen
  • Stalking

Physisch

  • unerwünschte Berührungen (z.B. Tätscheln, Streicheln, Kneifen, Umarmen, Küssen), auch wenn diese beiläufig oder scheinbar zufällig geschehen
  • wiederholte körperliche Annäherung und wiederholtes Nichtwahren einer angemessenen körperlichen Distanz (ca. 1 Armlänge)
  • sexualisierte Gewalt und Übergriffe bis hin zu sexueller Nötigung und Vergewaltigung

Betroffene Personen fühlen sich durch das Verhalten der Täterperson häufig verletzt, herabgewürdigt und verstört, nicht selten entsteht ein Klima aus Verunsicherung und Angst. Es kann kurzfristige und langfristige Folgen geben.

Kurzfristige Folgen für Betroffene:

  • Angst und Hilflosigkeit
  • Schock und Erstarren
  • Ekel, Schuld oder Schamgefühl
  • Ärger und Aggression
  • Schlafprobleme
  • Kopfschmerzen, Magenschmerzen und Verdauungsprobleme
  • Allgemeines Unwohlsein

Langfristige Folgen für Betroffene:

  • Verlust von Vertrauen in sich selbst und andere
  • Schwierigkeiten in Beziehungen
  • Gefühl von Minderwertigkeit
  • Konzentrationsstörungen und Leistungsminderung
  • Körperliches Unwohlsein
  • Angstzustände und Depressionen
  • Panikattacken und Flashbacks
  • Arbeitsunfähigkeit

Sexuelle Belästigung kann in allen Bereichen einer Hochschule vorkommen und alle Personengruppen, ganz gleich ob Lehrende, Verwaltungsangehörige oder Studierende betreffen. An Universitäten oder Hochschulen können bestimmte Faktoren die Situation für Opfer erschweren und für Täter erleichtern.

Gerade im Rahmen der Einzelausbildung an einer Hochschule für Musik, Tanz und Theater besteht oft eine spezifische persönliche Nähe zwischen Lehrenden und Studierenden und damit eine besondere Form der Abhängigkeit. Auch im Gruppenunterricht, insbesondere in den Bereichen Ballett, Sprech- und Musiktheater, sind intime und gleichzeitig hierarchische Strukturen vorhanden, die Machtmissbrauch und Grenzverletzungen begünstigen.

Eine repräsentative Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2019 zeigt dabei, wie verbreitet sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist. Betroffene trauen sich meist aus Unsicherheit oder Scham nicht über das Erlebte zu sprechen, so dass die Dunkelziffer um einiges höher geschätzt wird.

Betroffene von sexueller Belästigung schämen sich häufig für das was ihnen passiert ist und verschweigen aus Angst und Unsicherheit den Übergriff. Möglicherweise fühlen sie sich sogar schuldig. Dabei ist das belästigende Verhalten eine eindeutige Grenzüberschreitung der Täterperson.

Ob ein Übergriff stattgefunden hat, ist für Betroffene teilweise schwer zu beurteilen. Hierbei gilt: Vertrauen Sie Ihrer Intuition und nehmen Sie die Wahrnehmung Ihrer persönlichen Grenzen ernst. Fragen Sie bei Unsicherheiten eine Person Ihres Vertrauens, wie sie die Situation bewerten würde.

Abhängig von Ihrer individuellen Situation gibt es verschiedene Möglichkeiten sich zu distanzieren und Grenzen zu setzen.

  • Sie können sich Verbündete suchen sowie kostenlose Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen. Hierfür stehen Ihnen an unserer Hochschule zahlreiche interne und externe Möglichkeiten zur Verfügung, darunter das Netzwerk der Vertrauenspersonen, das Team der Frauen-und Gleichstellungsbeauftragten oder die Studierendenvertretung.
    https://hmtm.de/initiative-respekt/beratung-und-hilfe/
  • Sollten Sie dazu in der Lage sein, können Sie die direkte oder schriftliche Konfrontation mit der belästigenden Person suchen, in der das Verhalten angesprochen. Beide Wege der Kommunikation, die Grenzen setzt, können auch mit Vertrauenspersonen vorbereitet und „geübt“ werden.
  • Wenn es möglich ist, versuchen Sie Situationen zu vermeiden, in denen Sie mit der belästigenden Person allein sind, lassen Sie die Türen offen oder nehmen Sie sich eine Begleitperson mit.
  • Protokollieren Sie Situationen oder Verhaltensweisen, die Ihnen unangenehm sind, um die Situation besser beurteilen und mit anderen darüber sprechen zu können.
  • Als Studierende können Sie in dringlichen Fällen einen Lehrkraftwechsel beantragen, auch ohne die offiziellen Fristen einzuhalten.
    https://hmtm.de/studieren/lehrerwechsel/