»Baden in Klängen« – Konzert für ein schwimmendes Publikum im Hallenbad Ebersberg

17. Juni ’26

Am 6. Februar 2026 fand im Hallenbad Ebersberg ein außergewöhnliches Konzert von Studierenden der HMTM statt: Unter dem Titel »Baden in Klängen« lauschte ein schwimmendes Publikum einem kleinen Ensemble, das direkt am Beckenrand ein Konzert gab. Das Konzept zu »Baden in Klängen« entwickelten Christina Schulze (Zither) und Leoš Frahnke (Akkordeon) in der Lehrveranstaltung »Anderswo: Out and about«, die im Fachgebiet Musikvermittlung unter der Leitung von Prof. Dr. Sonja Stibi im Wintersemester 2025/26 angeboten wurde.

Ziel des Praxis-Seminars war es, dass die teilnehmenden Studierenden selbst ein Konzert für und mit neuen Publika entwickelten und dieses Konzert dann mit einem geeigneten Partner umsetzten. Prof. Dr. Sonja Stibi fasst die Aufgabenstellung wie folgt zusammen: »Für welches Publikum und an welchem Ort habe ich noch nie musiziert? Wem möchte ich meine Musik wie nahebringen, Austausch, Begegnung und Teilhabe ermöglichen? Das Projekt sollte sich also der Entwicklung eines neuen Konzertformats widmen, das speziell auf die Bedürfnisse und Interessen einer neuen Zielgruppe sowie auf einen spezifischen Ort zugeschnitten ist. Dabei haben wir uns auch mit Community Outreach, Formen von Kultureller Teilhabe und Publikumsbeteiligung rund ums Konzert beschäftigt.« Die Studierenden fungierten in diesem Praxis-Projekt nicht nur als Künstler*innen, sondern mussten sich auch weitgehend eigenständig, begleitet durch Prof. Dr. Sonja Stibi, um die konzeptionelle Ausarbeitung und die Veranstaltungsorganisation kümmern, von der ersten Kontaktaufnahme zu einem möglichen Veranstaltungsort und der Einholung nötiger Genehmigungen über die Ausarbeitung des Programmes unter Beachtung der jeweiligen Rahmenbedingungen bis hin zu Umsetzung inkl. Proben, Veranstaltungstechnik und Aufführung.

Foto: Sonja Stibi

Die HMTM-Studierenden Christina Schulze und Leoš Frahnke ließen sich vom Thema Wasser inspirieren und fanden bald mit dem Hallenbad Ebersberg einen passenden Partner. Im Projektverlauf stieß noch die Gesangsstudentin Carolin Jurkat hinzu. Das Programm bestand schließlich aus Texten von Johann Wolfgang von Goethe, Daphne’s Diary, Hans-Peter Kraus sowie Fjodor Iwanowitsch Tjuttschew und Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, Sergey Rachmaninow, Aram Khatchaturian, Sylius Leopold Weiss und Christian Elsässer sowie zeitgenössischen Liedern wie »Singin‘ in the Rain«. In der Besetzung Gesang/Stimme, Zither und Akkordeon spielten die Studierenden direkt am Beckenrand, während das Publikum schwimmend zuhören konnte. Sängerin Carolin Jurkat stieg sogar ins Wasser und mischte sich ebenfalls unter die schwimmenden Zuhörer*innen.

Das Projekt stellte die Künstler*innen dabei vor technische Herausforderungen, etwa wegen der eher hohen Luftfeuchtigkeit im Hallenbad. Diese machte das Spielen für Zitherspielerin Christina Schulze nicht leicht, da die Finger schnell auf den Saiten abzurutschen begannen. Auch die sehr hallige Akustik im Hallenbad war eine Hürde: Akkordeonist Leoš Frahnke passte daraufhin seine Spieltechnik an, um die tiefen Töne deutlicher spielen zu können. Zudem sorgten mehrere Mikrophone für die Verstärkung der Musizierenden. Insgesamt entstand am Ende eine Inszenierung, die das Bad als Ganzes in den Blick nahm: Der Ort, das Team des Hallenbads vom Bademeister bis zum Einlass und das Publikum waren einbezogen, das Programm nahm einen starken dramaturgischen Bezug auf die Themen Wasser und Baden, Kostüme, Licht und passende Unterwasserbeleuchtung, Auf- und Abgänge komplettierten das Konzept.

Das Ergebnis war ein großer Erfolg für die Studierenden mit einem begeisterten Publikum in Ebersberg, unter das sich sogar der Bürgermeister mischte. Christina Schulze fasst die Erfahrung zusammen: »Das Besondere des Konzerts war für mich – neben der besonderen Instrumentenkombination – die Lichtstimmung im Bad. Das Unterwasserlicht brach sich und wurde ›an Land‹ von Scheinwerfern wieder aufgegriffen, während man durch die Glasfront nach draußen in die Dunkelheit sehen konnte. Das Highlight war Carolins ›Auf dem Wasser zu singen‹ von Franz Schubert, das sie in einem Schwimmreifen liegend sang.«