Die Verfolgung von Musikerinnen und Musikern durch das NS-Regime hat massiv, dauerhaft und weltweit auf das immaterielle Kulturgut Musik eingewirkt. In Deutschland, ebenso wie in den annektierten und besetzten Ländern kam es zu erheblichen Verlusten, im Exil aber auch zu produktiven Entwicklungen in allen Bereichen des Musiklebens. Ziel des Projektes ist eine Revision und Vervollständigung der Musikgeschichte mit Blick auf diese globalen Verwerfungen. Dabei geht es insbesondere um die Rekonstruktion des Beitrags NS-verfolgter Musikerinnen und Musiker zum Musikleben der Zwischenkriegszeit, die Erschließung des mit der Verfolgung und der Zwangsmigration verbundenen musikalischen Wirkens sowie die Analyse der Transferdynamik zwischen den Geflüchteten und den Musikkulturen der Exilländer mit Folgen bis in die Gegenwart.
Das Projekt konzentriert sich auf Musikerinnen und Musiker, die aus dem deutschsprachigen Raum stammen. Reichhaltige, bisher nicht ausgeschöpfte Quellen, vor allem ungedruckte und archivalische Bestände, sind noch zu erschließen. Die personenbezogenen Erkenntnisse daraus fließen in das Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (LexM) ein, das über die Website der Universität Hamburg frei zugänglich ist. Es umfasst derzeit (Stand Oktober 2026) rund 5.600 Lemmata sowie über 1.000 ausführliche Artikel über Musikerinnen und Musiker aus allen Berufssporten, die nach 1933 aus massenideologischen, politischen, religiös-weltanschaulichen, kulturellen oder anderen Gründen verfolgt wurden und infolgedessen ins Exil gedrängt, deportiert oder in die Illegalität gezwungen wurden. Dieses derzeit wichtigste Forschungsinstrument zum Thema wird in das Projekt integriert und erweitert. Eine neu entwickelte Anwendung zur Visualisierung der LexM-Geodaten ermöglicht die explorative Analyse sowie die Identifikation struktureller Muster und räumlicher Zusammenhänge durch interaktive, datengetriebene Visualisierungs- und Analysemethoden. Darauf aufbauend werden in Teilprojekten übergeordnete Themen untersucht, etwa einzelne Exilländer, Berufsgruppen oder Œuvres. Die Forschungsergebnisse werden sowohl auf wissenschaftlichen Konferenzen als auch in künstlerisch-wissenschaftlichen Formaten wie Research Concerts einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Arbeitsstellen des Projekts befinden sich an der Universität Hamburg und der Hochschule für Musik und Theater München. Das Projektarchiv der Hamburger Arbeitsstelle umfasst die digitalen und physischen Archive früherer Projekte am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg (Arbeitsgruppe Exilmusik, Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit). Die Münchner Arbeitsstelle kooperiert mit dem am Musikwissenschaftlichen Institut der Hochschule für Musik und Theater München ansässigen Ben-Haim-Forschungszentrum, das ebenfalls ein Archiv umfasst. Das Langzeitvorhaben »NS-Verfolgung und Musikgeschichte« gehört zum gemeinsam von Bund und Ländern finanzierten Akademieprogramm, das von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert wird. Das Projekt wird von der Akademie der Wissenschaften in Hamburg in Kooperation mit der Universität Hamburg und der Hochschule für Musik und Theater München durchgeführt.
Projektleitung:
Prof. Dr. Friedrich Geiger (Gesamtprojektleitung, Arbeitsstellenleitung München), Dr. Sophie Fetthauer (Arbeitsstellenleitung Hamburg)
Projektmitarbeitende:
Steffen Danek, Dr. Ya’qub El-Khaled, Sebastiano Gubian, Madeleine Onwuzulike, Bonan Wie
Laufzeit:
2025–2042
Förderung:
Akademie der Wissenschaften Hamburg
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von hCaptcha laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen