Im Februar 2026 fand ein besonderes Projekt des Opernbusses der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) statt: Die Studierenden gastierten in der Frauenabteilung des Justizvollzugsanstalt München (JVA München), um über zwei Wochen hinweg gemeinsam mit einigen Insassinnen zu improvisieren und kleine musiktheatrale Szenen zu entwickeln. Ziel war eine gemeinsame Abschlussveranstaltung mit den Frauen und den Studierenden in der JVA.
Doris Heinrichsen, Dozentin für szenischen Unterricht an der HMTM und künstlerische Leiterin des Opernbusses, über die Entstehung des Projekts: »Ich hatte diese Idee, mit dem Opernbus in einem Gefängnis zu arbeiten, schon sehr lange im Kopf. Denn das passt genau zu dem, was der Opernbus kann: Menschen aus ganz unterschiedlichen Kontexten begegnen sich. Dabei entstehen wichtige Impulse für alle Beteiligten.« Der Opernbus ist ein Projekt des Instituts für künstlerische Gesangs- und Theaterausbildung an der HMTM, in dem Studierende bekannte Opern in gekürzter Fassung erarbeiten und sie mobil an Schulen, Kitas, Heime oder Kliniken bringen. Damit fördert der Opernbus die Begegnung von unterschiedlichen Menschen durch Musik und Theater. Ein Projekt in einem Gefängnis war aber für alle etwas Neues.
In der Frauenabteilung der JVA München war die Begeisterung für dieses Projekt von Anfang an groß. Susan Stadler, die als Sozialpädagogin die Frauen in der JVA München unterstützt, erkannte das besondere Potential: »Im Vollzug ist der Alltag der Frauen strukturiert, viele Entscheidungen werden ihnen abgenommen. Theater und Improvisation bieten den Frauen die Möglichkeit, spontane Entscheidungen zu treffen und sich auf unvorhergesehene Situationen einzulassen. Wir hoffen, dass das Projekt dazu beitragen kann, das Selbstvertrauen der Frauen zu stärken und ihre Selbstwahrnehmung und ihre Kommunikationsfähigkeit verbessern.«
Bei diesem Opernbus-Projekt waren insgesamt sechs Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen beteiligt. Sie studieren Gesang, Liedgestaltung, Schulmusik, Klavierpädagogik oder Elementare Musikpädagogik an der HMTM und hatten alle bereits Erfahrungen mit Improvisation gesammelt. Begleitet wurden sie von der künstlerischen Leitung Doris Heinrichsen, der Produktionsleitung Ruth Zapf und der Theaterpädagogin Mirjam Dinkhoff, die schon verschiedene Projekte in Justizvollzugsanstalten umgesetzt hat. In mehreren Workshops vor dem Beginn des Projekts im Februar konnten sich die Studierenden gezielt auf Arbeit mit freier Improvisation, aber auch auf die Rahmenbedingungen in einer JVA vorbereiten. In der JVA unterstützte außerdem Pianist Henri Bonamy, der die Musikimprovisationen anleitete und an der HMTM einen Lehrauftrag für Klavierbegleitung innehat.
Jakob Schad (zum Zeitpunkt des Projekts im 3. Semester Master Liedgestaltung) war von Anfang begeistert: »Als Doris Heinrichsen mir vor einiger Zeit davon erzählte, dass ein Projekt in einer JVA geplant sei, habe ich direkt zugesagt. Die unmittelbare Nähe zu einem Publikum, für das man normalerweise nicht spielt, ist jedes Mal ein bereicherndes Erlebnis.«
Vom 2. Februar an wurde es dann konkret: Die Studierenden trafen die Frauen, die sich für das Projekt gemeldet hatten, in der JVA, lernten sich kennen und begannen mit der gemeinsamen Arbeit. Dabei entstand schnell gegenseitiges Vertrauen, das auch in der Abschlussveranstaltung am 13. Februar vor einem kleinen internen Publikum in der JVA sichtbar wurde: Kleine Sketche, ein bisschen Percussion und viele Lieblingslieder waren zu sehen und zu hören. Aus einem Zuruf aus dem Publikum entstand ein spontanes Duett zwischen zwei Studierenden. Eine Frau aus der JVA trug einen sehr persönlichen Rap in drei Sprachen vor.
Susann Stadler fasst ihren Eindruck so zusammen: »Die teilnehmenden Frauen waren wirklich begeistert von dem Projekt und die abschließende Inszenierung war großartig. Ich bin tief beeindruckt, wie Doris Heinrichsen und Mirjam Dinkhoff mit den Studierenden und unserer Wohngruppe in so kurzer Zeit so etwas auf die Beine stellen konnten. Die Studierenden sind unseren Frauen sehr unvoreingenommen gegenübergetreten und haben es geschafft, innerhalb der schweren Rahmenbedingungen ihren Mut, Willen, Talent, Begeisterung und Gemeinschaftssinn zu wecken.«
Auch für Jakob Schad war es ein beeindruckendes Erlebnis: »Die Herzlichkeit und Offenheit der Frauen haben mich sehr begeistert. Wie schnell sie sich auf die Bühnensituation eingelassen haben und wie sie mit großem Einsatz und Kreativität die Szenen entwickelt haben! Sehr beeindruckt hat mich auch, dass sie sich am Ende dazu entschieden haben, unser Programm vor den Angestellten der JVA zu spielen. Die Insassinnen haben den Beamten und Beamtinnen hier eine Seite von sich gezeigt, der im normalen Gefängnisalltag kein Raum gegeben wird. Dazu gehört sehr viel Mut!«
Allen Beteiligten wird das Projekt noch lange in Erinnerung bleiben. Vielleicht wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass der Opernbus in ein Gefängnis fährt. Schon im April 2026 war eine kleine Besetzung zu einem internen Konzert in der JVA eingeladen. Wer weiß, welche weiteren Ideen hier in Zukunft entstehen.
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