Donnerstag, 23. April ’26 / 18:15 Uhr

Ringvorlesung: »Audiovisuelle Narrative«

Atmosphärisches Erzählen. Musik, Stimmung und Zeit in audiovisuellen Narrativen

Foto von einem silbernen Mikrofon
Eintritt frei
Veranstaltungsort
Carl Orff Auditorium
Hochschule für Musik und Theater München
Luisenstraße 37a
80333 München
Atmosphärisches Erzählen meint die Fähigkeit audiovisueller Medien, durch das Zusammenspiel von Musik, Bild und Zeit Stimmungsräume zu erzeugen, die leiblich erfahren werden, noch bevor sie begrifflich erfasst sind. Der Vortrag entwickelt dafür ein theoretisches Instrumentarium – von Gernot Böhmes phänomenologischem Atmosphärenbegriff bis zu Michel Chions Theorie der audiovisuellen Fusion – und erprobt es an konkreten Fallbeispielen: Ludwig Göranssons Score zu Christopher Nolans Film »Tenet«, Dark-Academia-Soundscapes auf TikTok, algorithmisch kuratierten Spotify-Playlists und Lo-Fi-Environments auf YouTube. Am Ende steht eine Frage, die das Modell unter Druck setzt: Was passiert mit atmosphärischem Erzählen, wenn ein Algorithmus selbst den Score generiert? Atmosphärisches Erzählen hat traditioneller Weise mit einer Form von Empathie zu tun, etwa als Perspektivübernahme: Jemand gestaltet eine Stimmung, indem er imaginiert hat, was der Andere spüren wird. KI imaginiert nichts. Sie berechnet Wahrscheinlichkeiten. Ist das unerheblich oder wird das Erzählen dann zur (Ent-)Täuschung?
Mitwirkende
Prof. Dr. Gregor Herzfeld (Musikwissenschaft, Universität Regensburg)